Es soll rums machen
Peter Alexander

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In einem seiner letzten Interviews sprach Peter Alexander († 12.2.2011) über Niveau im Fernsehen, Quotenwahn und den Gedanken an seinen Tod.

Seit 50 Jahren stehen Sie auf der Bühne. Wie lange werden Sie noch Fernsehen machen?
Ich zeichne noch eine Show auf, dann ist vorläufig Schluss. Ich bin den Aufregungen dieses Geschäfts nicht mehr so gewachsen.

Warum nicht?
Alles hat sich verändert. Es ist alles viel schneller und viel schlechter geworden. Ich bekomme so viele Drehbücher für Serien, in denen ich mitspielen soll. Das meiste ist Schund. Es gibt keine richtigen Autoren mehr. Ärzte, Förster, Schäferhunde - mehr fällt denen doch nicht ein. Da gilt nur noch: seicht, seichter, am seichtesten. Und Shows, wie ich sie gemacht habe, sind überhaupt das schwerste.

Ist Nachwuchs in Sicht?
Woher denn? Die jungen Leute haben keine anständige Ausbildung, können sich nicht einmal bewegen! Früher musste man sein Handwerk noch hart erlernen. Heute genügt es doch schon, wenn man sein Gesicht einmal ins Fernsehen hält. Und das tun die jungen Kollegen hemmungslos - auch wenn sie gar kein Talent haben.

Gibt's denn gar keine Ausnahmen?
Margarethe Schreinemakers ist eine Ausnahme, dicht gefolgt von Alfred Biolek. Harald Schmidt ist sehr frech, unkonventionell, geistreich - aber ab und zu leider geschmacklos. Und Gottschalk ist Weltmeister, wenn er gerade einen guten Tag hat! Seine Hauspartys bei SAT 1 gefallen mir aber nicht so sehr.

Schmidt und Gottschalk verdienen über fünf Millionen Mark im Jahr. Neidisch?
Überhaupt nicht. Aber es ist schon verrückt: Nur um sich gegenseitig die Stars wegzuschnappen, zahlen die Sender völlig überhöhte Preise. Es dreht sich alles nur noch um die Quote, den Feind jeder Qualität. Das Fernsehen ist eine teuflische Erfindung. Ohne Fernsehen ginge es uns wirklich allen besser.

Das müssen Sie aber genauer erklären.
Es gäbe weniger Scheidungen, weniger Vereinsamung. Heute sitzt doch jeder in der Familie vor seinem eigenen Bildschirm - früher hat man noch miteinander gespielt, gelacht und geredet. Das ist vorbei.

 

Wann schalten Sie ein?
Ich suche mir nur noch die Sendungen aus, die in den Programmzeitschriften mit Sternchen ausgezeichnet sind. Das Niveau sinkt immer mehr. Offensichtlich fressen die Leute leider auch das Blödeste noch. Dieses Zappen von einem Kanal zum anderen finde ich fürchterlich. Man sieht doch nur noch weiße Kittel mit abwechselnden Köpfen drauf.

Wer mit 70 noch so aussieht wie Sie, muss sich die Unterstellung gefallen lassen, er sei geliftet und trage ein Toupet...
Ich würde mich nie liften lassen - selbst wenn ich wie Quasimodo aussehen würde. Zum Schluss hat man noch ein schiefes Gesicht und Nasenlöcher, in die es oben reinregnet. Und ein Toupet habe ich schon gar nicht - auch wenn dieses Gerücht hartnäckig wie Nessie immer wieder auftaucht.

Können Sie sich noch an Ihre Midlife Crisis erinnern?
Freunde von mir leiden wie die Hunde. Sie haben Depressionen und gehen zum Psychiater. So etwas hatte ich nie. Aber vielleicht kommt bei mir ja bald die Endlife Crisis...

Denken Sie mit fast 70 Jahren schon manchmal ans Sterben?
Ja, der Tod beschäftigt mich. Vor allem der Gedanke, dass meine Frau früher stirbt und ich allein zurückbleibe. Dieser Gedanke ist wirklich deprimierend. Deshalb wünsche ich mir, dass es mich früher trifft.

Wie möchten Sie sterben?
Es soll „rums!" machen und vorbei sein. Ein Grab haben meine Frau und ich schon gekauft, es liegt in Wien auf dem Grinzinger Friedhof, direkt gegenüber von Gustav Mahler, den ich immer sehr verehrt habe.

Was soll auf Ihrem Grabstein stehen?
Ganz schlicht: Peter Alexander Neumayr, das ist mein bürgerlicher Name. Dazu Geburts- und Sterbedatum. Mehr soll's nicht sein.

16. Juni 1996, erschienen in der BILD am Sonntag